Wilfried Dechau schrieb folgenden Artikel im Newsletter des architekturbild e.v. (Oktober 2011):

Der TSE-Adapter von proPsolution

proPsolution hat was gegen Parallaxe
Fotoamateure älteren Semesters kennen – von Sucherkameras ­– noch das Zauberwort "Parallaxenausgleich". Nämlich die zusätzliche Markierung im (Leuchtrahmen-)Sucher, die anzeigte, um wie viel das tatsächlich aufgenommene Bild im Nahbereich vom angezeigten Sucherbild abweicht – z.B. bei der legendären Voigtländer Vito B (1957). Die Abweichung von Sucherbild und Filmbild ist systembedingt, denn Objektivachse und Sucherachse sind parallel zueinander, weshalb die Abweichung, sprich: Parallaxe, immer weiter zunimmt, je näher man an das Objekt herangeht. Die Konstrukteure der Leica M gaben sich nicht mit Markierungen im Sucher zufrieden, sondern koppelten die (veränderbare) Sucherachse mechanisch mit der am Objektiv eingestellten Entfernung. Very sophisticated, vor allem für Liebhaber der Feinmechanik. Aber auch mit solch aufwendiger, mechanischer Kopplung lässt sich der Parallaxenfehler nicht beseitigen, sondern nur minimieren. Lediglich bei der Spiegelreflexkamera (oder auf der Mattscheibe der Fachkamera) ist die Parallaxe überhaupt kein Thema mehr. Aber auch bei der Spiegelreflexkamera kommt das Problem mit der Parallaxe gleichsam durch die Hintertür wieder herein, nämlich dann, wenn man das Shiftobjektiv dazu benutzt, aus zwei mit mal nach links (oder oben), mal nach rechts (oder unten) verschobenem Objektiv erzeugten Teilbildern Panoramen zu montieren. Genau genommen handelt es sich nämlich um zwei von verschiedenen Standpunkten aus aufgenommene Teilbilder – auch wenn die nur wenige Zentimeter voneinander entfernt liegen. Das liegt an der Funktionsweise des Shifts, denn es wird bei fest stehender Kamera, sprich: bei fest stehender Filmebene immer das Objektiv verschoben und nicht umgekehrt. So lange sich im Vordergrund nicht sehr viel abspielt, kann man vergessen, dass beide Teilbilder in den Überlappungsbereichen nicht perfekt zur Deckung gebracht werden können. Wer gewohnt ist mit der Fachkamera zu arbeiten, kann darüber nur lächerln. So lange solche Panoramen noch auf herkömmliche Weise mit Schneidemesser und Pritt-Stift gefertigt wurden, konnte man das Problem vernachlässigen. Will man sich aber der Photoshop-Funktion "Automatisieren > Photomerge" bedienen, kann es durchaus passieren, dass sich die – in den Randbereichen nicht exakt deckungsgleichen – Teilbilder nicht nahtlos verschmelzen lassen.
Wer sein Shiftobjektiv weiterhin nur dazu verwendet, für einzelne Aufnahmen günstige Ausschnitte zu suchen, ohne dabei die Perspektive zu verändern, kann mit dem – für ihn – theoretischen Fehler leben. Wer mit dem Shift saubere Panoramen herstellen möchte, wird es begrüßen, dass die Firma proPsolution nun Abhilfe geschaffen hat. Mit Hilfe des TSE Adapters ist es (bei Canon-Shifts) möglich, das Konstruktionsprinzip des Shifts "auf den Kopf zu stellen": Für die einzelnen Teilbilder wird das Kameragehäuse, sprich: die Filmebene, gegenüber dem Objektiv verschoben. Die so entstehenden Teilbilder sind in den Überlappungsbereichen absolut deckungsgleich. Die Bedienung des – feinmechanisch übrigens exquisiten – TSE-Adapters muss man allerdings, bevor es Ernst wird, sehr sorgfältig trocken üben. Wer sich nach dem Kauf des Adapters zunächst über die sehr ausführliche, mit vielen Bildern bestückte Anleitung lustig gemacht hat, wird sehr schnell merken, dass man ohne so eine sorgfältige Anleitung aufgeschmissen wäre...
Fazit: Wer sein Canon-Shift so nutzen möchte als hätte er eine Fachkamera, sollte sich den Adapter unbedingt zulegen. 

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